Digitales Arbeiten prägt heute wichtige Teile der Museumsarbeit: verfeinerte Objektdarstellung ebenso wie weitreichende Außendarstellung sind durch Digitalisierung möglich geworden und erfordern diese zugleich. Museen und ihre Inhalte müssen sich in soziale Netzwerke einbinden. Von einem Blick in den Museumsalltag (Florentine Dietrich, Staatliche Museen zu Berlin: Die Berliner Venus von Botticelli – analog und digital) bis hin zu einer Vorstellung eines neuen Studiengangs „Digital curation“ (Joyce Ray, Johns Hopkins University, Washington, USA) reicht unser Spektrum, das wir mit den TeilnehmerInnen diskutieren wollen.

Einführung (Prof. Monika Hagedorn-Saupe)

Staatliche Museen zu Berlin: Die Berliner Venus von Botticelli
– analog und digital  (Florentine Dietrich)

Bei einer kurzen Bildersuche im Internet findet man aktuell die Venus von Botticelli aus der Berliner Gemäldegalerie ungefähr fünfzigmal in ganz unterschiedlichen Ansichten, Aufmachungen, Bild- und Beschreibungsqualitäten. Die meisten Einträge beziehen sich auf die aktuelle Sonderausstellung „Botticelli Renaissance“, in der das Gemälde als Ausstellungsmotiv dient. In den Staatlichen Museen zu Berlin, zu deren Sammlungsbestand das Gemälde gehört, ist das Werk sechsmal digital verfügbar. Daneben gibt es ca. fünfzehn verschiedene Abzüge von Ektachromen und Glasnegativen, die das Gemälde über einen Zeitraum von ca. 100 Jahren dokumentieren. Die im Museum aufbewahrten Abbildungen sind mit den wichtigsten Informationen beschriftet. Dieses Bildmaterial kann von dem Museumspersonal eingesehen werden. Die Bilder im Internet können auf der ganzen Welt zu jeder Uhrzeit von jedem abgerufen, kommentiert und bearbeitet werden.

Das Interesse für Kunst- und Kulturzeugnisse wird heute nicht mehr nur über den Museumsbesuch, Bestands- und Ausstellungskataloge oder Werkverzeichnisse geweckt sondern im verstärkten Maße digital über das Internet. Museen, die über einen Sammlungsbestand von Millionen Objekte verfügen – von massenhaft hergestellten afrikanischen Pfeilspitzen bis hin zu singulären Werken wie dem Pergamon Altar oder der Venus von Botticelli – stehen vor der Herausforderung, ihre Sammlungsbestände zu digitalisieren und der Gesellschaft digital zugänglich zu machen. Die heutigen Besucherinnen und Besucher interessieren sich nicht nur für das Werk und seine Erläuterung, sie möchten einen Blick hinter die Kulissen werfen und an dem Wissen z.B. der Kuratorinnen und Kuratoren sowie der Restauratorinnen und Restauratoren Anteil haben – und sie möchten ihre eigenen Eindrücke mitteilen. Das Internet bietet dafür diverse Kommunikationsplattformen, die sich stetig wandeln und die von den Museen bedienen werden müssen, insb. wenn sie ein jüngeres Publikum ansprechen wollen.

Die klassischen Museumsberufe sehen die Aufgabe der digitalen Vermittlung der Objekte noch nicht vor. So stellt sich nicht nur die Frage, in welchem Ausmaß und wie die Museen einen digitalen Zugang zu ihren Sammlungen erreichen können sondern auch wer sich im Museum dieser Aufgabe annimmt.

Die Digitale Erweiterung des Städel Museums –

Von der digitalen Transformation eines Frankfurter Bürgermuseums (Silke Janßen)

Die Digitalisierung unserer Lebenswelt betrifft auch vermeintlich analoge kulturelle Inhalte, wie ein 500 Jahre altes Dürer-Gemälde oder einen 50 Millionen Dollar Ballon Dog von Jeff Koons. Museen werden in gleichen Maßen mit den enormen Veränderungen konfrontiert, die unseren Umgang mit Information, Bildung und Kultur grundsätzlich neu definieren.

Am Beispiel des Frankfurter Städel Museums erläutert Silke Janßen, wie sich die Arbeit einer Kulturinstitution im digitalen Zeitalter verändert und parallel zum analogen, physischen Museumsbesuch ein echtes, alternatives Angebot entstehen kann. Der dadurch uneingeschränkte und neuartige Zugang zu kulturellen Inhalten ermöglicht es, den Bildungsauftrag der Institution zeitgemäß umzusetzen sowie völlig neu zu skalieren. Anhand der Projekte der Digitalen Erweiterung des Städel Museums stellt sie vor, auf welche Weise digitale Technologien für Vermittlung von Kunst sowie Wissenschaft sinnvoll eingesetzt werden können. Das enorme Potential dieser Entwicklung für die Vermittlung und Verbreitung von Kunst steht dabei ebenso im Fokus wie die Frage, wie sich die in der Praxis dafür geforderte Strukturen und Arbeitsweisen in den Museumsbetrieb neu implementieren lassen.

Silke Janßen ist stellvertretende Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Städel Museums und der Liebieghaus Skulpturensammlung in Frankfurt am Main sowie Teil des abteilungsübergreifenden digitalen Think tank der Institutionen.

Educating the Next Generation of Museum Professionals (Joyce Ray)

Offen für Forschung (Dr. des. Anette Schomberg)